Enzyklopädie › Gebäude

Grabhügel

Grabhügel

Über den Toten aufgeschütteter Erdhügel, ein thrakischer Brauch, angetroffen am Athos, 483-480 v. Chr.

In ganz Thrakien und im nördlichen Ägäisraum wurden bedeutende Männer unter runden Hügeln aus aufgeschütteter Erde bestattet, oft nach Festmählern und Leichenspielen. Herodot beschreibt diesen Brauch. Er berichtet auch, wie Xerxes 480 v. Chr. bei Akanthos nahe dem Athos das ganze Heer einen Grabhügel für Artachaies aufschütten ließ, den Perser, der den Kanalbau beaufsichtigt hatte.

Im Spiel: Am Athos nimmt die Begräbnisstätte diese Form an; Träger bringen die Toten dorthin, und unbestattete Tote machen die Häuser in der Nähe krank. Die thrakische Bezeichnung entspricht Herodot 5.8, doch die Krankheitsregel ist eine Spielmechanik, keine historische Behauptung.

Grabhügel: Herodot über thrakische Bestattungen

Herodot über thrakische Bestattungen

Herodot berichtet, dass wohlhabende Thraker den Leichnam drei Tage lang aufbahrten, Tiere aller Art opferten und nach der Totenklage ein Festmahl hielten. Danach wurde der Tote verbrannt oder in der Erde bestattet, ein Hügel über ihm aufgeschüttet und Wettkämpfe aller Art abgehalten, wobei der höchste Preis für den Zweikampf vergeben wurde.

Herodotus 5.8

Grabhügel: Der Grabhügel des Artachaies bei Akanthos

Der Grabhügel des Artachaies bei Akanthos

Herodot berichtet, dass Artachaies, ein Achämenide, der das Graben des Athoskanals beaufsichtigte, in Akanthos starb, während Xerxes dort weilte. Der König richtete ihm ein prächtiges Begräbnis aus, und das ganze Heer schüttete über seinem Grab einen Hügel auf. Auf Geheiß eines Orakels, fügt Herodot hinzu, opferten die Akanthier ihm wie einem Heros.

Herodotus 7.117

Grabhügel: Hügel im Gelände

Hügel im Gelände

Zeitgenössisch belegt

Tausende Grabhügel sind im gesamten antiken Thrakien erhalten, im heutigen Bulgarien, in Nordgriechenland und im europäischen Teil der Türkei. Ausgegrabene Hügel des späten sechsten und des fünften Jahrhunderts, etwa jene von Duvanli bei Plowdiw, bargen Bestattungen mit Waffen, Goldschmuck und Silbergefäßen, manche in Formen, die achämenidischem Tafelgeschirr nachgebildet waren. Sie zeugen von einer Oberschicht, die die von Herodot beschriebenen Bräuche teilte.

Z. Archibald, The Odrysian Kingdom of Thrace, 1998

Grabhügel: Wessen Brauch war es am Athos

Wessen Brauch war es am Athos

Umstritten

Herodot behandelt die Thraker als ein Volk, zählt aber Stämme mit unterschiedlichen Bräuchen auf, etwa jene nördlich der Krestonaier, deren Witwen darum wetteiferten, am Grab zu sterben. Thukydides berichtet, die Städte am Athos seien gemischt und zweisprachig gewesen: Pelasger, Bisalter, Krestonier und Edoner neben einigen wenigen Griechen. Herodot nennt den Grabhügel des Artachaies nicht thrakisch, daher ist ungewiss, wie weit ein einzelner Brauch hier galt.

Herodotus 5.3-5.5; Thucydides 4.109

Quellen

  • Herodotus 5.8
  • Herodotus 7.117
  • Herodotus 5.3-5.5
  • Thucydides 4.109
  • Z. Archibald, The Odrysian Kingdom of Thrace, 1998