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Abort

Abort

Abortsitz eines Haushalts nach altem ägyptischem und vorderasiatischem Vorbild, in Gebrauch im 6.–5. Jahrhundert v. Chr.

Ein Abort war ein fester Sitz oder ein kleiner Raum, in dem ein Haushalt seine Notdurft verrichtete, meist über einem Topf, einer Grube oder einer Rinne. Solche Einrichtungen waren zur Zeit des Kyros bereits Jahrhunderte alt und aus ägyptischen Häusern und mesopotamischen Palästen bekannt, doch sie blieben eine Annehmlichkeit der Wohlhabenden. Die meisten Menschen im Reich begnügten sich wohl mit offenem Gelände, Töpfen und Senkgruben.

Im Spiel: Das Spiel zeigt einen Sitz über einem Sandtopf, der auf die Felder geleert wird und Häuser innerhalb von vier Feldern sauber hält; Häuser des Ältesten benötigen einen. Sitze mit Sandtopf sind aus Ägypten bekannt, doch gibt es keinen sicheren Beleg dafür, dass man sie auf die Felder leerte, und solche Sitze waren selten.

Abort: Steinsitze über Sand in Amarna

Steinsitze über Sand in Amarna

Zeitgenössisch belegt

Die deutlichsten Zeugnisse aus Ägypten stammen aus Amarna, der Stadt Echnatons, erbaut etwa 800 Jahre vor Kyros. Ausgräber fanden Sitze aus Kalkstein mit einer schlüssellochförmigen Öffnung, die auf Ziegelstützen über einem herausnehmbaren Gefäß ruhten, das vermutlich Sand enthielt. Sie standen in kleinen Waschräumen der größeren Häuser, nicht in gewöhnlichen Wohnungen.

B. Kemp, The City of Akhenaten and Nefertiti, 2012

Abort: Abflussrinnen in Mesopotamien und Persien

Abflussrinnen in Mesopotamien und Persien

Zeitgenössisch belegt

In Mesopotamien besaßen Paläste und manche Häuser seit dem dritten Jahrtausend Latrinen, die in Rohre oder Sickergruben entwässerten. In Persepolis wurde die Königsterrasse mit einem Netz von Abflusskanälen angelegt, die unter den Gebäuden in den Fels gehauen waren, um Regen- und Abwasser abzuleiten. Die Ausgrabungen haben nicht im Einzelnen gezeigt, wie die Latrinen auf der Terrasse funktionierten.

E. Schmidt, Persepolis I, 1953

Abort: Herodot über ägyptische Sitten

Herodot über ägyptische Sitten

Herodot zählt ägyptische Bräuche auf, die ihm als Umkehrung der griechischen erschienen. Er berichtet, die Ägypter verrichteten ihre Notdurft im Haus und äßen draußen auf den Straßen, und erklärt, beschämende Notwendigkeiten solle man im Verborgenen tun. Seine Bemerkung passt zu den Hausaborten, die man in ägyptischen Häusern gefunden hat, doch er schrieb als Außenstehender, der nach Gegensätzen suchte.

Herodotus 2.35

Abort: Persische Schamhaftigkeit und fließendes Wasser

Persische Schamhaftigkeit und fließendes Wasser

Herodot berichtet, den Persern sei es nicht gestattet gewesen, sich vor anderen zu erbrechen oder Wasser zu lassen. Er fügt hinzu, dass sie weder in einen Fluss urinierten oder spuckten noch sich darin die Hände wuschen, da sie Flüsse hoch verehrten. Diese Sitten deuten auf Sorgfalt im Umgang mit Abfällen hin, doch eine Beschreibung persischer Latrinen gibt er nicht.

Herodotus 1.133; Herodotus 1.138

Abort: Wer Aborte hatte, und wohin der Unrat ging

Wer Aborte hatte, und wohin der Unrat ging

Umstritten

Die meisten Archäologen nehmen an, dass gemauerte Latrinen auf wohlhabendere Häuser und Paläste beschränkt waren, doch wie die Ausscheidungen beseitigt wurden, bleibt unklar. Gefäße wurden vielleicht außerhalb des Hauses geleert, in Gruben oder auf Abfallhaufen; für eine Ausbringung auf die Felder gibt es keine sicheren Belege. Die späteren zoroastrischen Reinheitsvorschriften über Körperausscheidungen wurden erst lange nach den Achämeniden aufgezeichnet, und die Historiker sind uneins darüber, wie weit sie die persische Praxis dieser Zeit widerspiegeln.

B. Kemp, The City of Akhenaten and Nefertiti, 2012; P. Briant, From Cyrus to Alexander, 2002

Quellen

  • B. Kemp, The City of Akhenaten and Nefertiti, 2012
  • Herodotus 2.35
  • Herodotus 1.133; 1.138
  • E. Schmidt, Persepolis I, 1953
  • P. Briant, From Cyrus to Alexander, 2002