Enzyklopädie › Schlachten und Ereignisse

Der Tod des Apisstiers

Der Tod des Apisstiers

Tod und Bestattung des heiligen Stiers von Memphis, im sechsten Regierungsjahr des Kambyses, 524 v. Chr.

Im Spiel: Level 2: Der Lanzenträger

Der Apis war der lebende heilige Stier des Ptah in Memphis, und sein Tod und seine Bestattung waren große Ereignisse in der ägyptischen Religion. Herodot sagt, Kambyses habe den Stier im Zorn verwundet, und die Ägypter hätten seinen Wahnsinn von diesem Frevel an gerechnet. Ägyptische Inschriften aus dem Serapeum von Sakkara zeigen dagegen einen Apis, der 524 im Namen des Königs mit allen Ehren bestattet wurde. Der Widerspruch zwischen beiden Zeugnissen hat geprägt, wie Historiker die persische Herrschaft in Ägypten beurteilen.

Im Spiel: Die Chronik stellt Herodots Erzählung vom Dolchstoß neben die Grabinschrift von Sakkara und behandelt beide als den Tod ein und desselben Stieres im Jahr 524. Bei Herodot war der erstochene Stier ein neu gefundener Apis, und welchen Stier er meinte, ist umstritten.

Der Tod des Apisstiers: Der heilige Stier von Memphis

Der heilige Stier von Memphis

Zeitgenössisch belegt

Die Ägypter glaubten, dass stets ein einziger Stier, erkennbar an besonderen Merkmalen, das lebende Abbild des Gottes Ptah war. Starb er, wurde er mumifiziert und in den unterirdischen Gängen des Serapeums bei Sakkara beigesetzt, und man suchte einen Nachfolger. Bei jeder Bestattung errichtete Stelen verzeichnen Geburt, Einsetzung und Tod des Stiers nach Regierungsjahren und sind daher ein wertvolles Hilfsmittel für die Datierung dieser Epoche.

A. Mariette, excavations of the Serapeum, 1850s; G. Posener, La première domination perse en Égypte, 1936

Der Tod des Apisstiers: Herodots Geschichte vom Dolchstoß

Herodots Geschichte vom Dolchstoß

Herodot berichtet, dass bei der Rückkehr des Kambyses nach Memphis von seinem gescheiterten Marsch nach Süden ein neuer Apis erschienen war und die Stadt feierte. In dem Glauben, die Ägypter verspotteten seine Niederlage, ließ der König den Stier herbeiführen und stach nach dessen Bauch, traf aber den Schenkel. Herodot zufolge siechte der Apis dahin, und die Priester bestatteten ihn heimlich. Er fügt hinzu, die Ägypter führten den Wahnsinn des Kambyses auf dieses Verbrechen zurück, doch er selbst hielt den König schon zuvor für nicht recht bei Sinnen.

Herodotus 3.27-30

Der Tod des Apisstiers: Die Bestattung im 6. Jahr

Die Bestattung im 6. Jahr

Zeitgenössisch belegt

Eine Stele aus dem Serapeum berichtet, dass im sechsten Regierungsjahr des Kambyses, 524 v. Chr., ein Apis starb und bestattet wurde. Sie zeigt den König in ägyptischer Königstracht vor dem Stier kniend. Auch ein großer Granitsarkophag in den Galerien trägt eine Inschrift, die Kambyses als den nennt, der ihn für den Gott anfertigen ließ. Beides deutet auf eine Bestattung mit königlichen Ehren hin, nicht im Geheimen.

Serapeum stela of Cambyses year 6 (Louvre); G. Posener, La première domination perse en Égypte, 1936

Der Tod des Apisstiers: Welcher Stier, und warum die Geschichte entstand

Welcher Stier, und warum die Geschichte entstand

Umstritten

Eine Stele aus dem vierten Jahr des Dareios verzeichnet den Tod eines Apis, der im fünften Jahr des Kambyses geboren wurde; der neue Stier, den Herodot beschreibt, scheint Kambyses also überlebt zu haben. Die meisten Historiker werten den Messerstich daher als feindliche Überlieferung. Manche meinen, sie gehe auf Priester zurück, die über Kürzungen der Tempeleinkünfte erzürnt waren, die ein viel späterer ägyptischer Text, die Demotische Chronik, Kambyses zuschreibt. Andere argumentieren, die Datierung lasse Herodot Spielraum, und die Frage ist nicht endgültig geklärt.

P. Briant, From Cyrus to Alexander, 2002; L. Depuydt, Murder in Memphis, Journal of Near Eastern Studies 54, 1995

Der Tod des Apisstiers: Wunde um Wunde

Wunde um Wunde

Spätere Legende

Herodot schließt die Erzählung mit einem moralischen Nachklang. Als Kambyses später in Syrien auf sein Pferd sprang, durchbohrte die Spitze seines Schwertes seinen Schenkel genau an der Stelle, an der er den Apis getroffen hatte, und er starb an der Wunde. Die glatte Entsprechung von Frevel und Strafe zeigt, dass dies eine Geschichte mit Lehrabsicht ist und kein Bericht über tatsächliche Ereignisse.

Herodotus 3.64

Quellen

  • Herodotus 3.27-30
  • Serapeum stela of Cambyses year 6 (Louvre)
  • G. Posener, La première domination perse en Égypte, 1936
  • P. Briant, From Cyrus to Alexander, 2002
  • L. Depuydt, Murder in Memphis, Journal of Near Eastern Studies 54, 1995
  • Herodotus 3.64