
Der Schatzmeister
Verwalter des Silbers und der Vorräte des Königs, Persepolis, spätes 6.–5. Jahrhundert v. Chr.
Der Schatzmeister, auf Persisch wohl ganzabara, verwaltete die Schatzhäuser des Königs: Vorräte an Silber, Kostbarkeiten und Fertigwaren, die in den königlichen Zentren lagerten. In Persepolis erhielt der Schatzmeister schriftliche Anweisungen, entlohnte Arbeiter mit abgewogenem Silber und leitete Personal und Werkstätten. Die Schatzhaustäfelchen aus seinem Amt gehören zu den besten Zeugnissen dafür, wie der achämenidische Hof mit Reichtum umging.
Im Spiel: Das Spiel stellt den Schatzmeister als ganzabara des Archivs von Persepolis und Hüter der königlichen Schatzhäuser dar. Die Belege des Archivs für Schatzhäuser setzen erst 509 v. Chr. ein, frühere Schatzmeister sind daher nicht direkt bezeugt.

Der Titel in mehreren Sprachen
Zeitgenössisch belegtKeine altpersische Inschrift schreibt den Titel aus. Die Forschung rekonstruiert ihn als ganzabara, etwa „Schatzträger“, aus seinen Lehnformen: kanzabara in elamischen Tafeln und ganzabar im Aramäischen. Dasselbe Wort erscheint als gizbar im Hebräischen des Buches Esra. Seine Verbreitung über so viele Sprachen zeigt, wie weit persische Verwaltungsbegriffe wanderten.
G. Cameron, Persepolis Treasury Tablets, 1948; Ezra 1:8; P. Briant, From Cyrus to Alexander, 2002

Die Täfelchen aus dem Schatzhaus von Persepolis
Zeitgenössisch belegtAusgräber fanden in den 1930er Jahren im Schatzhaus von Persepolis mehrere hundert elamische Tontäfelchen und Fragmente aus den Jahren 492 v. Chr. bis 458 v. Chr. Die meisten sind gesiegelte Anweisungen an den Schatzmeister, namentlich genannte Arbeitergruppen in Silber zu entlohnen, oft als Ersatz für einen Teil ihrer Schaf- oder Weinrationen. Die Zahlungen erfolgten in abgewogenem Silber, gemessen in Karsha und Schekeln, nicht in Münzen.
G. Cameron, Persepolis Treasury Tablets, 1948; E. Schmidt, Persepolis II, 1957

Schatzhäuser als Lager und Werkstätten
Zeitgenössisch belegtDie Täfelchen aus dem Befestigungsarchiv von Persepolis, datiert von 509 v. Chr. bis 493 v. Chr., erwähnen Schatzhäuser, auf Elamisch kapnuški genannt, in Persepolis und an anderen Orten der Persis. Sie waren nicht bloß Kammern für Edelmetall. Dort waren Handwerker und Arbeiter untergebracht, die sogenannten Schatzhausarbeiter, und man verwahrte fertige Waren, sodass der Schatzmeister einen produzierenden Betrieb ebenso leitete wie eine Schatzkammer.
R. Hallock, Persepolis Fortification Tablets, 1969; P. Briant, From Cyrus to Alexander, 2002

Griechische Autoren über den königlichen Schatz
Antiker BerichtHerodot berichtet, der König habe sein Tributsilber und -gold eingeschmolzen und in Tongefäße gegossen, dann die Gefäße abgeschlagen und vom Metall abgetrennt, was er gerade brauchte. Diodor berichtet, Alexander habe 330 in der Schatzkammer von Persepolis etwa 120.000 Talente vorgefunden. Weder das von Herodot beschriebene Verfahren noch die von Diodor genannte Größe des Schatzes lässt sich anhand persischer Aufzeichnungen überprüfen.
Herodotus 3.96; Diodorus 17.71

Die beschrifteten Steingefäße
UmstrittenMörser, Stößel und Teller aus grünem Stein aus dem Schatzhaus tragen kurze aramäische Tintennotizen, die Schatzmeister und Unterschatzmeister nennen. Ihr Erstherausgeber deutete sie als Zeugnisse eines Rituals mit dem Trank Haoma. Die meisten späteren Forscher lehnen dies ab und sehen in den Notizen Verwaltungsvermerke für Gegenstände, die dem Schatzhaus übergeben wurden; ihre Bedeutung ist daher weiterhin umstritten.
R. Bowman, Aramaic Ritual Texts from Persepolis, 1970; P. Briant, From Cyrus to Alexander, 2002
Quellen
- G. Cameron, Persepolis Treasury Tablets, 1948
- R. Hallock, Persepolis Fortification Tablets, 1969
- E. Schmidt, Persepolis II, 1957
- P. Briant, From Cyrus to Alexander, 2002
- Herodotus 3.96; Diodorus 17.71
- R. Bowman, Aramaic Ritual Texts from Persepolis, 1970