
Heiligtum
Opfer- und Kultstätten im Achämenidenreich, um 550–479 v. Chr.
Im Spiel: Level 1: Das Grab des Gründers
Soweit die Quellen erkennen lassen, stand im persischen Kult dieser Zeit das Opfer unter freiem Himmel im Mittelpunkt, nicht geschlossene Tempel mit Götterbildern. Kultorte hatten dennoch Bedeutung: der heilige Bezirk von Pasargadae, die örtlichen Opfer, deren Belieferung die Persepolis-Täfelchen belegen, die ayadana, die Dareios nach eigenen Worten wiederherstellte, und die vielen Tempel unterworfener Völker, die die Könige schützten oder duldeten.
Im Spiel: Ein Heiligtum schickt einen Magier durch die Straßen, um die Haushalte zu segnen, und Häuser brauchen diesen Glauben, um zu Terrassenhäusern zu werden. Diese Rundgänge sind eine Erfindung des Spiels: Die Täfelchen zeigen Magier, die Rationen für das Darbringen von Opfern erhalten, nicht aber Hausbesuche machen.

Götter ohne Tempel
Antiker BerichtHerodot berichtet, die Perser errichteten weder Standbilder noch Tempel oder Altäre und hielten jene, die es taten, für töricht. Er schreibt, sie opferten dem Zeus auf den höchsten Bergen und gäben diesen Namen dem ganzen Himmelskreis; moderne Forscher bringen diesen Gott oft mit Ahuramazda in Verbindung. Sie opferten auch Sonne, Mond, Erde, Feuer, Wasser und Winden, und kein Opfer war rechtmäßig ohne einen Magier, der dazu sang.
Herodotus 1.131-132

Opfergaben in den Persepolis-Täfelchen
Zeitgenössisch belegtDie Täfelchen aus dem Befestigungsarchiv von Persepolis, zwischen etwa 509 v. Chr. und 493 v. Chr. auf Elamisch geschrieben, verzeichnen Getreide, Wein und Tiere, die für Opfer ausgegeben wurden. Das häufigste Opfer, lan genannt, vollzog oft ein Magier. Zu den Empfängern der Opfer gehörten Ahuramazda, elamische Götter wie Humban sowie Berge und Flüsse. Die Täfelchen zeigen einen Kult, der über viele örtliche Stätten verteilt war und von der königlichen Wirtschaft bezahlt wurde, nicht von einem einzigen großen Tempel.
Persepolis Fortification tablets; W. Henkelman, The Other Gods Who Are, 2008

Der heilige Bezirk von Pasargadae
Zeitgenössisch belegtNordwestlich der Paläste von Pasargadae liegt ein heiliger Bezirk mit zwei frei stehenden Kalksteinsockeln, von denen einer über eine Treppe erreichbar ist. David Stronach, der die Stätte ausgrub, deutete sie als Schauplatz königlicher Verehrung vor einem Feuer oder Altar. In der Nähe erhebt sich ein terrassierter Hügel, dessen Datierung und Zweck jedoch umstritten sind. Welche Riten dort vollzogen wurden, ist unbekannt, doch die Anlage passt eher zu einer Verehrung unter freiem Himmel als zu einem überdachten Tempel.
D. Stronach, Pasargadae, 1978

Dareios, Xerxes und die Ayadana
UmstrittenIn Behistun sagt Dareios, er habe die ayadana wiederhergestellt, die der Magier Gaumata zerstört hatte. Das altpersische Wort wird meist mit Kultstätten wiedergegeben, doch die Historiker sind uneins, ob damit Gebäude, offene Bezirke oder die Güter gemeint waren, die den Kult trugen. Xerxes behauptete später, einen Ort zerstört zu haben, an dem falsche Götter, die Daivas, verehrt wurden. Wo er lag und ob die Behauptung ein wirkliches Ereignis beschreibt, ist in der Forschung bis heute umstritten.
DB §14; XPh

Tempel der unterworfenen Völker
Zeitgenössisch belegtDie Könige zwangen ihren Untertanen keinen persischen Kult auf. Der Kyros-Zylinder, ein königlicher Text im babylonischen Stil, zeigt Kyros, wie er Götter in ihre Heiligtümer zurückbringt. Die Statue des Udjahorresnet berichtet, dass Kambyses Fremde aus dem Tempel der Neith in Saïs entfernen und dessen Einkünfte wiederherstellen ließ. Eine 407 v. Chr. verfasste Bittschrift aus Elephantine behauptet, der jüdische Tempel des Jahu habe bereits gestanden, als Kambyses kam, und sei verschont worden, als man ägyptische Tempel zerstörte.
Cyrus Cylinder; statue of Udjahorresnet; Elephantine papyri
Quellen
- Herodotus 1.131-132
- DB §14
- XPh
- W. Henkelman, The Other Gods Who Are, 2008
- D. Stronach, Pasargadae, 1978
- P. Briant, From Cyrus to Alexander, 2002