Enzyklopädie › Völker

Die Inder

Die Inder

Völker von Hindusch, den Indusländern des Perserreichs, ab etwa 520 v. Chr.

Im Spiel: Level 5: Die Gründungsurkunde

Die Perser nannten die Länder am Indus Hindusch und ihre Bewohner Inder. Dareios gliederte die Region wohl einige Jahre nach 520 dem Reich ein, und sie wurde dessen südöstlicher Rand. Die Inder sandten dem König Gold, Elfenbein und Soldaten, und griechische Schriftsteller kannten sie als fernes Volk, um das sich allerlei Wunder rankten.

Im Spiel: Das Spiel behandelt die Inder als Handelspartner und nimmt indische Bogenschützen in das Heer des Königs auf. Die Bogenschützen entsprechen Herodot, doch nach der Eroberung durch Dareios war Hindush ein tributpflichtiges Untertanenland und kein äußerer Partner; dies ist also eine Vereinfachung.

Die Inder: Hindusch in den Königsinschriften

Hindusch in den Königsinschriften

Zeitgenössisch belegt

Hindusch ist die altpersische Form des Flussnamens, den die Inder Sindhu nannten. Er fehlt in der Länderliste von Behistun, die um 520 eingemeißelt wurde, erscheint aber unter den Ländern des Königs in späteren Texten wie der Grabinschrift des Dareios DNa und der Inschrift XPh des Xerxes. In seiner Gründungsurkunde von Susa DSf sagt Dareios, das im Palast verarbeitete Elfenbein stamme aus Kusch, Hindusch und Arachosien.

DB §6; DNa; DSf; XPh

Die Inder: Gesandte auf den Treppen und am Grab

Gesandte auf den Treppen und am Grab

Zeitgenössisch belegt

Auf den Treppen des Apadana in Persepolis schreitet eine Gesandtschaft, die meist als Inder gedeutet wird, leicht bekleidet daher; sie trägt Gefäße an einem Tragjoch, wohl mit Goldstaub gefüllt, und führt einen Esel. Ein Inder erscheint auch unter den beschrifteten Thronträgern am Grab des Dareios in Naqsch-e Rostam. Die Täfelchen aus dem Befestigungsarchiv von Persepolis verzeichnen Rationen für Reisegruppen auf den Straßen zwischen Indien und dem persischen Kernland.

Apadana reliefs, Persepolis; DNe; Persepolis Fortification tablets

Die Inder: Goldstaub und Rohrbögen bei Herodot

Goldstaub und Rohrbögen bei Herodot

Herodot nennt die Inder das zahlreichste Volk, das er kannte, und berichtet, sie hätten jährlich 360 Talente Goldstaub entrichtet, mehr als jede andere Provinz. Er sagt, Dareios habe Skylax von Karyanda den Indus hinabgeschickt und dann die Inder unterworfen. Im Heer des Xerxes von 480 beschreibt er Inder in Baumwollkleidung mit Rohrbögen und Rohrpfeilen mit eisernen Spitzen, außerdem indische Reiter und Streitwagen.

Herodotus 3.94; Herodotus 4.44; Herodotus 7.65; Herodotus 7.86

Die Inder: Wo Hindush lag und was es zahlte

Wo Hindush lag und was es zahlte

Umstritten

Historiker verorten Hindusch am Indus, im unteren Tal oder im Pandschab, getrennt von den Provinzen Gandara und Thatagusch, doch seine Grenzen sind umstritten. Sein Fehlen in Behistun spricht für eine Eroberung durch Dareios nach etwa 520, das genaue Datum ist jedoch unbekannt. Viele bezweifeln Herodots Goldangabe, die er in mehr Silber umrechnet, als irgendeine andere Provinz zahlte, und halten sie für übertrieben oder entstellt.

P. Briant, From Cyrus to Alexander, 2002; Herodotus 3.95

Die Inder: Die goldgrabenden Ameisen

Die goldgrabenden Ameisen

Spätere Legende

Herodot gibt eine Erzählung wieder, die er von den Persern gehört haben will: Inder im Norden hätten Gold aus dem Sand gesammelt, den Ameisen – kleiner als Hunde, aber größer als Füchse – aufgegraben hätten, und seien dann auf schnellen Kamelen vor ihnen geflohen. Spätere griechische Autoren wie Ktesias fügten weitere indische Wunder hinzu. Manche heutigen Gelehrten bringen die Geschichte mit grabenden Murmeltieren im Gebirge in Verbindung, doch das bleibt Vermutung.

Herodotus 3.102-105; Ctesias, Indica

Die Inder: Das Emblem neben dem Namen

Das Emblem neben dem Namen

Umstritten

Indiens Emblem im Spiel ist eine sechsarmige Sonne von den ältesten gestempelten Silbermünzen des Subkontinents. Diese Münzen sind etwas jünger als die Herrschaft des Dareios, das Emblem ist also um einige Jahrzehnte anachronistisch und als ältestes Zeichen des Landes gewählt. Herodot sagt, die Inder hätten den größten Tribut gezahlt, in Goldstaub.

J. Cribb, Investigating the Introduction of Coinage in India, 1985; Herodotus 3.94

Quellen

  • Herodotus, Histories 3.94-105, 4.44, 7.65, 7.86
  • Royal inscriptions DB, DNa, DNe, DSf and XPh
  • P. Briant, From Cyrus to Alexander, 2002
  • A. Kuhrt, The Persian Empire: A Corpus of Sources, 2007
  • M. C. Root, The King and Kingship in Achaemenid Art, 1979